Stress-Symptome

Jeder Mensch reagiert anders auf Stress. Auch die Symptome von Stress sind daher von Mensch zu Mensch verschieden. Trotzdem gibt es Reaktionen des Körpers auf Stress, die bei allen Menschen unmittelbar und automatisch einsetzen. Wird dem Körper und der Psyche keine Gelegenheit zur Entspannung und zur Regeneration gegeben, bilden sich komplexe langfristige Stress-Symptome aus, die die Gesundheit nachhaltig schädigen und sogar zum Burnout führen können.

Stress-Symptome als sinnvolle Antwort auf Bedrohung

Schnelle Energie für Kampf, Flucht oder Verharren

Voraussetzung für das Einsetzen einer Stressreaktion ist, dass wir eine Situation als bedrohlich, belastend oder unkontrollierbar bewerten. Unsere Wahrnehmung und Bewertung spielt daher eine große Rolle für die Art und Weise wie wir reagieren. Fühlen wir uns bedroht, ist unser Körper alarmiert. Er macht sich bereit, mit Kampf oder Flucht zu reagieren, oder in der Situation zu verharren, bis die Gefahr vorüber ist. Die Stressreaktion an sich ist daher sehr sinnvoll und dient dazu, in bedrohlichen Situationen schneller und besser mit Gefahren umgehen zu können. Sie ist ein uralter biologischer Mechanismus, der unserem Überleben dient. 

Die schnelle Stressantwort des Körpers

Der Körper aktiviert im Alarmmodus blitzschnell die Energie, die wir brauchen, um einer Gefahr schnell und effektiv zu begegnen. Dafür sorgen vor allem die Aktivierung unseres Nervensystems (Sympathikus) und in der Folge Stresshormone, wie z.B. Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol. Diese Hormone hemmen oder verstärken bestimmte Körperfunktionen in den Organen.

  • das Herz schlägt schneller, der Puls steigt
  • bestimmte Arterien sind weiter gestellt
  • Gehirn, Lunge, Leber, Herz- und Skelettmuskeln werden mit mehr Blut versorgt
  • die Muskelanspannung steigt im ganzen Körper, um mehr Kraft zu haben
  • der Blutdruck erhöht sich
  • die Atmung wird schneller
  • die Durchblutung der Haut- und Darmgefäße nimmt ab
  • Hände und Füße werden kalt, schmerzunempfindlicher und damit besser bereit zum Kampf
  • die Verdauung verlangsamt sich, die Verdauungsorgane drosseln ihren Energieverbrauch
  • die rationalen reflektierenden Anteile im Gehirn, die normalerweise planen, abwägen und analysieren, werden massiv zurück gedrängt, da sie zu viel Zeit in Anspruch nehmen würden
  • das Gehirn greift auf "alte", erlernte, sehr einfache und emotional gefärbte Denk- und Verhaltensmuster zurück, die dem Kampf oder der Flucht dienen
  • Das Denken wird eng, um schneller zu sein: Es entsteht schnell ein "Tunnelblick" oder "Schwarz-Weiß-Denken"
  • Ist Kampf oder Flucht nicht möglich, verfällt der Körper in ein Verharren, einen "Totstell-Reflex" in der Hoffnung, dass die Gefahr vorüber geht. Dieser Totstell-Reflex ist eine letzte, sehr wichtige Überlebensstrategie, die der Körper für uns bereit hält. 

Die langsame Stressantwort des Körpers

Vor allem im Zusammenspiel mit dem Stresshormon Cortisol antwortet der Körper in einem zweiten Schritt mit folgenden Prozessen: 

  • die Muskeln verbrennen bei Stress Fettsäuren statt Zucker
  • der Blutzucker steigt: Körperzellen reagieren weniger auf Insulin, es verbleibt mehr Zucker im Blut, so dass das Gehirn ausreichend mit Energie versorgt wird
  • Blutfette nehmen zu
  • die Blutgerinnung erhöht sich
  • Hunger, Durst und Sexualtrieb werden unterdrückt
  • das Immunsystem wird herunter gefahren

Die "Idee" des Körpers hinter diesen Reaktionen ist: Das kurzfristige Überleben ist wichtiger als das langfristige Überleben. Deshalb werden einige für die langfristige Gesunderhaltung des Körpers wichtigen Funktionen im Alarmzustand außer Kraft gesetzt bzw. gedämpft, damit sie nicht unnötige Energie verbrauchen. Im Prinzip ein sehr "schlauer" Mechanismus, der ohne unser Zutun ganz automatisch abläuft und dem wichtigsten Ziel in dieser Situation (dem Überleben) alles andere unterordnet.

Wann macht Stress krank?

Kurzfristiger Stress muss keineswegs ein gesundheitliches Problem sein. Hans Selye, der Vater der Stressforschung, bezeichnete  Stress sogar als "Würze des Lebens". Stress energetisiert, verleiht Kraft und ermöglicht uns, auch mit schwierigen und herausfordernden Situationen umgehen zu können. In Kombination mit einer positiven Einstellung zur Situation können sogar gleichzeitig Glückshormone ausgeschüttet werden (z.B. bei der Achterbahnfahrt, oder bei der unter Zeitdruck zu erarbeitenden Präsentation in einem Projekt) - vorausgesetzt, wir "lieben" diesen Nervenkitzel und die Anspannung. Selbst im Zustand des Verliebtseins werden Stresshormone ausgeschüttet - gleichzeitig werden aber auch viele Glückshormone aktiviert. 

Dauerhaft ist es jedoch für den Körper sehr anstrengend, im Stress-Modus zu sein, ganz gleich, ob dieser negativ oder positiv gefärbt ist, denn in jedem Fall werden Körperfunktionen gedrosselt, andere verstärkt. Auf lange Sicht kommen wir so aus dem Gleichgewicht. Körper, Geist und Psyche verlieren die Balance. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Phasen der ausgiebigen Erholung, Entspannung und Regeneration fehlen.

 

Krankmachend an Stress ist:

  • nicht abgebaute Energie, mangelnde Erholung
  • eine chronische Belastungssituation
  • ein geschwächtes Immunsystem
  • gesundheitliches Risikoverhalten, das schnell aus Stress resultiert
    (z.B. Konsum von Alkohol oder Medikamenten)

Symptome und Folgen von chronischem Stress

Lang anhaltender, chronischer Stress führt zu einer komplexen Reaktion auf körperlicher, kognitiver, emotionaler und der Verhaltensebene. Stressreaktionen laufen jedoch nicht bei allen Menschen und in allen Belastungssituationen in gleicher Weise ab. Die eigene Veranlagung, die individuelle Reaktionsbesonderheit (einer reagiert mehr über das Verdauungssystem, eine andere mehr über das Herz-Kreislaufsystem), die Bewertung der Situation und damit in Verbindung stehende unterschiedliche Emotionen führen zu jeweils sehr individuellen Stressreaktionsmustern.

 

Bitte beachten Sie: Die folgenden Aufzählungen beinhalten Symptome, die Reaktionen auf Stress sein können, die durch Stress verstärkt werden können, die aber auch andere Ursachen haben können.

Körperliche Stress-Symptome

  • Schmerzen: Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Rückenschmerzen
  • Herz- & Kreislaufbeschwerden, Schwindel
  • Magen-Darmbeschwerden: Reizdarm, Reizmagen, Sodbrennen
  • Nerven: Muskelkrämpfe, Zuckungen
  • Mangelnde Energie: Erschöpfung, chronische Müdigkeit
  • Unruhe im Körper, Bewegungsdrang

Stress-Symptome auf kognitiver Ebene

  • zunehmende Vergesslichkeit
  • Denkblockaden, Wortfindungsprobleme
  • mangelhafte oder schlechtere Konzentrationsfähigkeit 
  • den Überblick verlieren, z.B. über Aufgaben
  • verminderte Fähigkeit Entscheidungen und Prioritäten setzen zu können
  • Eingeengte Denkweisen: "Tunnelblick", "Schwarz-Weiss-Denken", fehlende Kreativität und Problemlösefähigkeit
  • Unruhe auf kognitiver Ebene, NervositätGedanken kommen nicht zur Ruhe, nicht abschalten können, Zweifeln, auch an sich selbst, Grübeln

Stress-Symptome auf emotionaler Ebene

  • Zunahme aggressiver feindseliger Gefühle, Gereiztheit, schlechter Laune, Unzufriedenheit, Ärger und Wut über sich selbst, z.B. den Anforderungen nicht mehr zu genügen
  • Lustlosigkeit
  • Hilflosigkeit, Lethargie
  • Gefühl der Überforderung
  • sich fremdbestimmt fühlen, nicht mehr die Kontrolle haben
  • Angstgefühle, deprimiert sein, nicht wissen, wie man eine Besserung seiner Belastungen und Probleme erreichen kann

Stress-Symptome auf der Verhaltensebene

  • verändertes Ess- und Trinkverhalten: Frustessen, Appetitlosigkeit, deutlich mehr essen als sonst, Heißhunger, Bedürfnis nach schnell verwertbaren Kohlehydraten, wie Chips, Weißmehlprodukten, Süßigkeiten, erhöhter Alkoholkonsum, Drogen...
  • aggressives Verhalten: Wutausbrüche, vermehrte Vorwürfe, gereiztes Verhalten, körperliche Aggressivität
  • Antriebslosigkeit
  • Unruhe auf der Verhaltensebene: Rastlosigkeit, nicht ausruhen können, ständig etwas tun müssen, mit etwas beschäftigt sein, Ungeduld
  • Nägelkauen, Zähneknirschen
  • Schlafstörungen: Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, Früh-Erwachen
  • sozialer Rückzug: Vernachlässigung von Freundschaften, Kontakten, Hobbies
  • Nachlassen sexueller Bedürfnisse 

Wie Burnout entsteht

Wer immer weiter in die Stressspirale gerät und dauerhaft keine Entlastung findet, wird früher oder später krank. Das Abrutschen in einen Burnout kann die Folge sein. Auch wenn es keine klare Abgrenzung zur Depression gibt, weist das Beschwerdebild des Burnout auf eine nachhaltig gestörte Balance (von Stress und Entspannung) hin, die am Ende in die Arbeitsunfähigkeit mündet. Mittlerweile spricht man beim Burnout auch von Erschöpfungsdepression, ein Zustand am Ende eines langen Überforderungs- und Erschöpfungsprozesses. Weil sich immer wieder Menschen für Achtsamkeit interessieren, die von Burnout bedroht oder betroffen sind, möchte ich hier einige Hinweise und Informationen dazu geben.

Frühwarnsignale von Burnout

Charakteristisch für Burnout sind folgende Frühwarnsignale bzw. folgender Verlauf:

  1. Die Betroffenen sind über einen sehr langen Zeitraum sehr leistungsfähig, motiviert und  haben hohe Ansprüche an sich selbst und ihre Arbeit. Ihre Arbeit ist oft von Werten getragen, sie arbeiten gern und viel, so dass für andere Tätigkeiten immer weniger Zeit bleibt.
  2. Zunehmend werden eigene Bedürfnisse verleugnet. Was früher Spaß machte, bereitet keine Freude mehr. Das Interesse an Hobbies und Freundschaften nimmt ab. Freizeit und Urlaub sind nicht mehr so wichtig. Nach und nach werden zwischenmenschliche Kontakte vermieden. Betroffene gehen auf Abstand, ziehen sich zurück. Im Beruf werden keine Erfolge mehr gesehen. Am Ende wird sogar der Job vernachlässigt, der früher so viel bedeutet hat. Innere Leere und Freudlosigkeit entstehen. Die Arbeitsleistung nimmt deutlich ab.
  3. Das über viele Jahre praktizierte Überengagement mündet in einer sich langsam aber stetig ausbreitenden emotionalen und körperlichen Erschöpfung. Viele Betroffene berichten schließlich von einem "Zusammenbruch", wo plötzlich "gar nichts mehr ging". 

Burnout ist eine behandlungsbedürftige Krankheit

Burnout - oder Erschöpfungsdepression - ist eine sehr ernste psychische Krankheit, die unbedingt der ärztlichen Diagnose und Behandlung bedarf. Oft ist ein stationärer oder tagesklinischer Aufenthalt in einer Klinik notwenig, um sich wieder zu stabilisieren. Mittlerweile gibt es viele Kliniken, die Achtsamkeit, Akzeptanz und Selbstfreundlichkeit in ihr Konzept integriert, oder es sogar zur Grundlage der Behandlung gemacht haben (Adressen gibt es beim MBSR-Verband). Suchen Sie unbedingt ärztlichen Rat auf, wenn Sie den Verdacht haben, auf dem Weg in einen Burnout zu sein. Ein Achtsamkeitstraining ist eine gute Möglichkeit zur Prävention von Burnout oder eine Anschlussmöglichkeit an die Behandlung eines Burnout, sobald Sie sich wieder stabil fühlen. Stecken Sie mittendrin, ist erst einmal Regeneration, Therapie und medizinische Behandlung notwendig. 

Stress vorbeugen und besser bewältigen?

Sie möchten wissen, wie Sie Stress vorbeugen können, damit es erst gar nicht so weit kommt? Oder Sie möchten lernen Stress besser zu bewältigen und einen Ausweg finden aus der Stress-Dynamik? Informieren Sie sich über Stress, wie er entsteht und über wirksame Möglichkeiten zur Stressbewältigung, sowie mein achtsamkeitsbasiertes Seminarangebot zur Stressbewältigung.